Archiv für April 2011

Demoaufruf 14.05. – Flüchtlingslager schliessen!


In Lebach wohnen zur Zeit ungefähr 800 Menschen unter unwürdigen Bedingungen in einem Flüchtlingslager. Sie befinden sich dort nicht, weil man sie nicht dezentral unterbringen könnte, oder weil man es sich nicht leisten kann, ihnen etwas anderes zu geben als Nahrungsmittelpakete – ganz im Gegenteil. Es wäre günstiger, humaner und fairer, ihnen Geld und Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Sie leben dort aus einem perfiden Grund: Abschreckung! Man gewährt Flüchtlingen hiermit voller Absicht ein fürchterlich eingeschränktes Leben, um weitere von der Einreise in dieses Land abzuhalten. Deswegen werden Menschen, die vor Krieg und Hunger flüchteten hier, in einem der reichsten Länder der Welt, wie ein Haufen Dreck behandelt.

Wir fordern alle Menschen auf, nicht länger weg zu sehen und einen so
unmenschlichen „Normalzustand“ zu tolerieren. Es sind nicht nur die Gesetzgeber, Strafvollzugsbeamten und Grenzschutztruppen, die diesen rassistischen Prozess aufrechterhalten. Die menschenverachtende Behandlung, die dort hinter verschlossenen Türen stattfindet, darf nicht weiter unterstützt und fortgesetzt werden.

Deswegen am 14. Mai auf die Straße gehen!

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Programm der Antira-Woche


Von Lampedusa bis Lebach – Aktionswoche gegen Rassismus, Abschiebung und europäische Asylpolitik
Die jüngsten Umstürze in der arabischen Welt haben die Lebenssituation zahlreicher Menschen plötzlich und auf dramatische Weise verändert, vorerst leider zumeist zum Schlechteren.

Dieser Umstand und die Destabilisierung der Ländergrenzen in Folge der inneren Auseinandersetzungen führte zum raschen Anstieg von Flüchtlingsbewegungen aus Nordafrika. Für die gefährliche Odyssee an die Grenzen Europa zahlen Flüchtlinge nicht nur vierstellige Beträge an Schleuserbanden, ca. 16.000 von ihnen kostete sie in den letzten 15 Jahren das Leben.

Die EU-Strategie im Umgang mit ungewollter Zuwanderung setzt sich in erster Linie aus Grenzsicherung (Gründung der Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen: FRONTEX 2004, Übereinkunft über den Einsatz sogenannter Rapid Border Intervention Teams) und Abschreckung (z.B. Überschreiten der Notfallkapazitäten im “Empfangslager” Lampedusa um das Vielfache) zusammen, dabei wird systematisch gegen Menschenrechte und die Genfer Flüchtlingskonvention verstoßen.

Die hygienischen Zustände in den Auffanglagern sind häufig katastrophal, Frauen sind z.T. Zwangsprostitution und Vergewaltigungen ausgesetzt.
Falls die Flüchtlinge einen Asylantrag stellen dürfen, was ihnen häufig rechtswidrig versagt wird, verbessert sich ihre Lage nur unzureichend.
Durch die in Deutschland geltende Residenzpflicht werden sie in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und da selbst nach mehreren Jahren Aufenthalt nur die Wenigsten eine Arbeitserlaubnis erhalten, bleiben sie auf Sozialleistungen noch weit unter ALG-II-Niveau angewiesen.
Was die Bevölkerung in den Ländern der EU nur durch Zeitung und Fernsehen mitbekommt, ist für die betroffenen Flüchtlinge oft der Einschnitt in ihrem Leben, ca. 40% von ihnen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Depression und Suizid sind weitere häufige Folgen ihrer Erlebnisse.

Dabei liegt eine Wurzel der Flüchtlingsproblematik in non-fair trade, Lebensmittelsubventionen und Überfischung durch die EU, die auch hauptverantwortlich für die globale Erwärmung und ihre dramatischen Folgen wie Wassermangel und Naturkatastrophen für hunderte Millionen Menschen vor allem in der zweiten und dritten Welt ist. Darüber hinaus stabilisieren vor allem die Staaten Westeuropas jahrzehntelang eben jede Regimes in Nordafrika, die nun die Befreiungsbewegungen in Nordafrika mit Waffengewalt zu ersticken versuchen.

Aus diesem Grund beherbergt das Philosophencafé vom 9. – 13.05 die Ausstellung “Innenansichten – Bilder aus der Abschiebehaft in Ingelheim” des Diakonischen Werks Hessen-Nassau. Parallel werden Vorträge von Referenten aus verschiedenen Bereichen zur regionalen und europäischen Flüchtlingspolitik und der Situation der Flüchtlinge in der EU stattfinden.
Am Ende der Woche soll ein gefestigter Eindruck vom Umgang Europas mit seinen ungeliebten Flüchtlingen und die ansatzweise Beantwortung der Frage “was kann ich dagegen tun?” entstehen. Außerdem werden Filme zum Thema gezeigt; alles wie gewohnt bei günstiger Verpflegung und in Gesellschaft netter Leute.
Eine Demonstration für die sofortige Schließung der Flüchtlingslager in Lebach und weltweit, sowie gegen staatlichen und gesellschaftlichen Rassismus rundet die Woche ab.

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Lesekreis: Traditionelle und kritische Theorie

Was ist die Kritische Theorie? Es scheint eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage zu sein, wenn selbst Leo Löwenthal (Mitbegründer der Kritischen Theorie) auch 1970 (fast 40 Jahre nach Gründung) sich nicht im Stande fühlt, eine kurze Antwort zu formulieren und daher dieser Frage lieber so entgegnet: „Sie sei ein von interessierten Sekundärliteraten und einschlägig Verlagspolitik fabrizierter Mythos, dem keine eine einheitliche philologische Realität entspreche.“

Oft dient die Kritische Theorie, ob im Einverständnis der universitären Lehre oder in diversen Polit-Zusammenhängen rekuperiert, nur noch als bloße Zitateonkel. Wieso sollte man sich diesen Ramsch auch antun? Mühsames auseinanderfriemeln verschachtelter Sätze, die man im heutigen Sprachgebrauch als altertümlich empfindet und auch nicht mehr im Stande ist zu verstehen. Und wie auch, sollte man nebst solchen Plackereien wie Lohnarbeit und dem Polit-Plenum Zeit für solche Dinge finden? Schlussendlich hat sich für die glücklichen Studierenden eines Bachelorstudienganges ohnehin die Frage als obsolet erwiesen, denn die meisten derer werden den Text nicht einmal bis zu dieser Stelle lesen. Die Zeit verflüssigt sich. Wer „Glück“ hat, darf heute noch zwischen der Vorlesung zur Populären Kultur und Pädagogik vereinzelte Worte der Kritischen Theorie lauschen, jedoch auch nur die Zitate, die nicht zu „radikal“ sind. Nicht zu „marxistisch“ und nicht zu „kritisch“. So wird die Schrift Adornos zur Kulturindustrie in einem Block abgetan. Freilich muss man vorausschicken, dass er die Marxschen Kategorien einer Kritik der politischen Ökonomie verwendete und es eben mit dem staatskapitalistischen Unwesen einer DDR gleichsetzt. Daraus kennzeichnet sich also eine überholte „Theorie“ ab.

Wir wollen jedoch probieren die Kritische Theorie in einen anderen Zusammenhang zu setzen. Aus der Kritischen Theorie (KT) leitet sich nämlich kein System von Regeln oder eine Sammlung von Fakten ab, die, einmal erfasst und auswendig gelernt, eine wohlfeile Erklärung für alles und jedes abgeben. Sie ist keine Denkschule mit einem festen Bestand an Lehrmeinungen wie andere philosophische Strömungen geworden, wie der Kritiker Wolfgang Pohrt schon feststellte: „Noch irreführender ist es, von einer Frankfurter Schule zu sprechen, denn die genannten Autoren haben […] nie eine Schule begründet […], weil sich ihre Texte nicht zur Verschulung eignen. Sie sind nicht doktrinär, dogmatisch, schematisch und simpel genug, sie lassen sich auf keine Lehrsätze, Merksätze, Axiome, oder methodologische Regeln reduzieren, es gibt […] keine leeren Begriffe, die man wie leere Säcke inhaltlich füllen muss, kein kategoriales Gerippe, das beliebig einzukleiden wäre, und dadurch entfallen alle die Hilfsdienste, durch deren Ableistung einer zum Schüler wird.“ (Wolfgang Pohrt, Der Staatsfeind auf dem Lehrstuhl, 1984) Unser Anliegen ist es, sich dem kritischen Denken zu stellen. Einen eigenen kritischen Gedanken zu produzieren und nicht das Auswendiggelernte (das mit stillschweigender Zustimmung abgenickte) nachzuplappern. Sich zu äußern, in Form einer destruktiven Kritik, die in aller Härte trifft. Das Selbst-Denken erweist sich aber erst in der Kraft zum Widerstand gegen vorgegebene Meinungen und – in eins damit – auch gegen vorgegebene Institutionen, überhaupt gegen alles bloß Gesetzte, das sich mit seinem bloßen Dasein rechtfertigt. Solcher Widerstand, als Vermögen der Unterscheidung des Erkannten und des unter Autoritätszwang hingenommenen, ist eins mit Kritik. Mündigkeit verlangt die Freiheit zu solcher Kritik.

Zur Lektüre

Max Horkheimer hielt im Januar 1931 anlässlich seines Amtsantritts als Institutsdirektor (des IfS) eine programmatische Rede über „Die gegenwärtige Lage der Sozialphilosophie und die Aufgaben eines Instituts für Sozialforschung“. Dort kommt er zum Schluss, dass das Zentrum der Philosophie nicht mehr das Individuum (bis Kant) in den Fokus rücke, sondern die Völker und Staaten den Platz eingenommen haben. Kant bemühte sich darum, dass Individuum in seiner Rolle in der Welt zu vergegenständlichen und zwar auf der Basis der eigenständigen und verantwortlichen Nutzung seines Verstandesvermögens Versprechungen zu seiner Autonomie und seinem künftigen Glück. Doch dieses Versprechen wurde im Fortschreiten der bürgerlichen Gesellschaft für die meisten Menschen zur leeren Phrase. 1937 veröffentlichte Max Horkheimer seinen Aufsatz: „Traditionelle und kritische Philosophie“. Hier wird der Begriff erstmals systematisch ausgeführt – allerdings als kleingeschriebene kritische Theorie, die nach Horkheimer mit Marx beginnt und in den Absichten des IFS nur ihre aktuelle Form findet. Michael Schwandt schreibt in seinem Einführungsbuch zur KT: „Es lohnt, diesem Text und seiner Argumentation ausführlich zu folgen, da in ihm viel von dem angelegt ist, was Kritische Theorie charakterisiert.“
Unter Theorie werde in der bürgerlichen Gesellschaft seitdem, so Horkheimer, verstanden, dass aus möglichst wenigen, knappen Leitsätzen, die möglichst evident und unbezweifelbar gefasst sein müssen, schrittweise ein möglichst umfassendes System von Regeln, Klassifikationen und Hierarchien abgeleitet werden müsse. Er bringt den Sachverhalt brilliant auf den Punkt. „Theorie ist das aufgestapelte Wissen in einer Form, die es zur möglichst eingehenden Kennzeichnung von Tatsachen brauchbar macht.“ Die wichtigsten Forderungen an eine solche Theorie seien daher Positivität, Widerspruchsfreiheit und Einstimmigkeit, so Horkheimer. Bezeichnend auch, wie er die sämtliche universitäre Lehre verbal attackiert. Es werde nur von der arbeitsteiligen, isolierten Auseinandersetzung des einzelnen Forschers mit seinem Thema ausgegangen, die Verflochtenheit der Wissenschaft als Institution mit der Gesellschaft dabei aber gänzlich ignoriert. Und so erscheine Gesellschaft in der traditionellen Theorie immer nur als ein „[…] Inbegriff von Faktizitäten, sie ist da und muss hingenommen werden“.
Die Welt, in der die Menschen existieren, so lautet der Einwand Horkheimers, sei aber keine natürliche oder von Gott geschaffene, die man einfach als gegeben hinzunehmen habe. Sie sei vielmehr durch und durch historisch, durch menschliche Praxis geformt und gestaltet.

Das Gegenmodell, das Horkheimer vorschwebt, ist natürlich nicht das einer beliebigen Vermengung von persönlichen Meinungsäußerungen des Theoretikers mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Selbstreflexion der auf Gesellschaft bezogenen Theorie muss eine andere Gestalt haben, und zwar muss sie über die der Wissenschaft von der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung gesetzten Grenzen herausstreben.

„Es gibt nun ein menschliches Verhalten das die Gesellschaft selbst zum Gegenstand hat. Es richtet sich nicht bloß auf die Abstellung irgendwelcher Mißstände, diese erscheinen ihm vielmehr mit der ganzen Einrichtung des Gesellschaftsbaus verknüpft. […] Die Kategorien des Besseren, Nützlichen, Zweckmäßigen, Produktiven, Wertvollen, wie sie in dieser Ordnung gelten, sind ihm vielmehr selbst verdächtig, und keineswegs außerwissenschaftliche Voraussetzungen, mit denen es nichts zu schaffen hat.“ (Horkheimer, Traditionelle und kritische Theorie, 1937)

Dieses Verhalten nennt er das kritische, und hiervon beziehe die kritische Theorie in Abgrenzung zur traditionellen ihren Begriff.

Einladung zum Lesekreis

Wir möchten Euch einladen, ob Studierende oder Nicht-Studierende, angefangen mit dem Aufsatz „Traditionelle und kritische Theorie“ eine Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie zu suchen. Der Lesekreis findet im zweiwöchigen Turnus statt. Ausgewählte und vereinbarte Textpassagen sollten im Vorfeld gelesen und vorbereitet werden und im Anschluss, diskutiert werden. Vorkenntnisse sind nicht von Belangen. Wir suchen außerdem Interessierte, die regelmäßig bei den Veranstaltungen erscheinen und eine gewisse Verbindlichkeiten erkennen. Das Ganze ist natürlich kostenlos! Die passenden Textpassagen werden auf unserer Internetseite www.lesekreis.blogsport.de zum Download zur Verfügung gestellt.

Die erste Sitzung findet am 03.05.2011 um 19.00 Uhr im Philocafé der Universität des Saarlandes statt. Eine Wegbeschreibung befindet sich hier.

Bis dahin sollte man bis zum ersten Abschnitt auf Seite 10 im unten verlinkten Dokument gelesen haben, welche wir in der ersten Sitzung nochmals lesen und besprechen wollen.

Hier kann der Text downgeloadet werden. Außerdem findet man HIER weitere interessante Links, die thematischen Bezug haben.

Dienstag ist SKAT-Tag

Jeden Dienstag ab 10 Uhr finden sich Skatfrischlinge & -cracks zum gemeinsamen Spiel ein.
Wenn Du Interesse an einer Partie, oder mehr hast -komm vorbei!

Lesekreis: „Karl Held – Der bürgerliche Staat“ – 16.04. 14-18 Uhr

Für diesen Termin sollten die Kapitel 1-4 bereits gelesen sein. Wir besprechen an diesem Tag die Kapitel 2-4.

“Der bürgerliche Staat” kann runtergeladen werden:
http://rapidshare.com/files/455982308/Karl_Held_-_Der_b__rgerliche_Staat.pdf

Hier kann man den online Text lesen:
http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/staat/staat_i.htm

Rückfragen bitte an: saarhexer@gmx.de